Sonntag, 27. April 2014

Ein tropischer Regenwald

Das Internet verbreitet neben Informationen auch Waren. Soweit so gut. So landen auch viele meiner persönlichen virtuellen Spaziergänge im Shop. Ein beachtlicher Teil meiner Besitztümer wurde mir vor die Haustür geliefert mit dem Absender der nach einem Fluss im tropischen Regenwald klingt. Man muss nicht Betriebswirtschaft studiert haben, um zu erkennen, dass Amazon sich durchsetzt und den lokalen Handel schwächt. Die Folgen des florierenden Internethandels könnten jedoch auch positive Auswirkungen haben.

Die Innenstädte werden meist von Ketten besiedelt, die ohnehin in beinahe jeder urbanen Situation die selben Waren angebieten. Die Mieten sind zu hoch. Die Ladenflächen werden geräumt und die Produkte im Onlineshop, statt im Flagshipstore verkauft. Die leeren Immobilien bieten endlich wieder neue Möglichkeiten für Unternehmungen, bei denen es nicht rein um den höchstmöglichen Gewinn geht. Die Stadtbewohner haben mehr Zeit und verbringen diese nicht mit sinnlosen Shoppingtouren, auf der Suche nach dem neuesten Trend oder dem billigsten Produkt. Dies passiert zu Hause, schnell und unkompliziert. Auf all den leeren Verkaufsflächen werden Dienstleistungen angeboten, die über das Internet nur schwer möglich sind. Ein warmes leckeres Essen, ein Malkurs oder einfach ein guter Ort zum Verweilen. Qualitäten von Kultur die nicht durch das Worldwideweb verbreitet werden, erleben eine Renaissance. Live Musik und Theater einerseits zum zuhören oder mitmachen, niestet sich in ehemaligen Ladenzeilen ein. Die Supermärkte hinterlassen Riesenhallen, in denen von Indoorspielplätzen bis Kulturzentren alles entstehen kann. Anstelle eines T-Shirts, dass man beim Spaziergang spontan erstanden hat, gönnt man sich jetzt eine Massage. Entspannen als neuer Zeitvertreib wird zu Realität und nicht nur in den Ratgebern gepredigt. Der reine Verkauf von Neuwaren wird durch Anbieter ersetzt, die sich um die Reparatur kümmern und der Gebrautwarenhandel erlebt eine neue Blüte.  Es entstehen Stellen an denen man menschliche Beratung erhält und diese würdigt.

Die Macht des freien Marktes verlässt die Innenstadt und gibt kreativen Projekten wieder einen Raum.


Die Werte eines Wohnortes mit hoher Lebensqualität bewegen sich weg von Geschäftsflächen und hin zu Leistungen und Angeboten, die nicht durch ein Angebot im Internet erbracht werden können. Dazu zählen Natur und Freizeitmöglichkeiten auf der einen Seite. Auf der anderen Seite, die die urbane Umgebung betrifft, sind es Bildung, gesundheitliche Versorgung und nicht zuletzt kulturelles Angebot.
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