Donnerstag, 29. Dezember 2011

Wachstum, Steigerung, Fortschritt

Wachstum, eigentlich etwa ganz natürliches, Blumen, Menschen und Tiere wachsen. Allerdings in einem sinnvollem Tempo und nicht ohne Grenzen. Irgendwann hat der Mensch seine vorgesehene Größe erreicht, damit ist nicht die Kleidergröße gemeint, und Stillstand tritt ein.

Steigerung ist keineswegs negativ, jeder versucht seine Leistung zu verbessern. Doch am eigenen Körper erleben wir, wie langsam dies passiert. 

Fortschritte erlebt einer wie alle in seinem Leben. Der erste Schritt, das erste Wort oder der hart erkämpfte Fortschritt in einer bestimmten Fähigkeit. 

Diese Begriffe verfolgen uns Tag für Tag, doch die Gegenteile, die Abnahme, der Rückschritt, die Senkung und der Stillstand werden uns als Katastrophen verkauft. Dabei müssten wir aus eigener Erfahrung wissen, dass sie ein nicht verachtbarer Anteil des echten Lebens sind. 

Ist in der Wirtschaft das andauernde Wachstum möglich?
Längst geht die Produktion über die Bedürfnisse der Gesellschaft hinaus und wir kaufen alle mehr als wir brauchen. Dies ist genauso vorgesehen, denn wenn dem nicht so wäre, müsste das Wachstum irgendwann aufhören oder weniger werden.
Daneben sehen wir am Beispiel der Natur, das die Blume verwelkt, nein nicht nur die romantische Rose, sondern auch jeder Mensch stirbt. Es ist offensichtlich, dass Steigerung nicht bis ins unendliche möglich ist. Die Leiter hat nur eine gewisse Anzahl an Stufen, irgendwann kann man nur noch oben stehen bleiben – wenn man schwindelfrei ist- oder umkehren. Wie im fortschreitenden Alter natürliche Abnahmen einkalkuliert sind.
Durch zielsichere Rückschritte bis zum verschwinden, verwesen verwandeln wir uns  gleichzeitig in etwas Neues. Das Problem ist nur, dass verschwinden ein verschwindend kleines Thema in unserer Gesellschaft ist.
Welcher Produzent wirbt damit: „Mein Produkt ist in 5 Jahren verschwunden.“ Niemand. Unsere Waren vergehen nicht mehr, sie können sich nicht mehr auflösen… Sogar ein Plastikbecher besteht länger als ein menschlicher Körper. Und trotzdem wird er nur für ein ermunterndes Heißgetränk 3 min verwendet.  Für jeden Kaffee ein neuer Becher. Für jede Saison ein neues T-Shirt, für jedes Jahr ein neues Handy.
Die Warenwelt hat ein Ablaufdatum, dass wir hochentwickelten Europäer nur zu genau nehmen. Dank uns wächst die Wirtschaft und macht Fortschritte, die Frage ist jedoch mit welchen Folgen und wie lange.
Wäre es nicht an der Zeit für Rückschritte beziehungsweise Rückschritte als die neuen Fortschritte? Wieso ist ein Laptop Müll nur weil der Speicher zu klein ist oder das Netzteil kaputt ist? Das Laptopgehäuse hält noch bestimmt 10 Jahre. Ein Weg wäre technische Weiterentwicklung so zu konzipieren, dass die bereits bestehenden Produkte erweitert werden und nicht ersetzt.
Arbeit die investiert wird macht Dinge auch wertvoller und reparieren muss sich auszahlen, denn ansonsten wird unsere Wegwerfgesellschaft ihren Müll bald nicht mehr nach Afrika schicken können, denn im Vergleich zur Bevölkerung wächst die Erde nicht.
Antiquitäten bestätigen die Regel und steigern meist ihren Wert von Zeit zu Zeit, sie haben Vergangenheit. Diese alten Gegenstände verbindet man mit Geschichte und entwickeln meist eine Persönlichkeit. Auch wenn es einst ein Produkt von der Stange war, hat es im Laufe der Zeit einen eigenen Charakter bekommen. Orte an denen es gestanden ist, Nutzungen die zu den Gebrauchspuren führten, Reparaturen und Restaurierungen… Es wird Zeit investiert und das Objekt wird individuell, es hat sogar Potenzial zum Lieblingsstück, so etwas wird mit Respekt behandelt, aufbewahrt und gepflegt.
In Zukunft müsste es Ziel sein, neu produzierte Waren so haltbar zu gestalten, dass Potenzial für die lange Nutzung und vielleicht auch eine flexible Nutzung da ist, oder die Artikel haben ein Haltbarkeitsdatum, nachdem sie sich auch wieder von der Welt verabschieden, besser gesagt ein Teil des natürliches Kreislaufs werden.

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